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Gesundheitswesen

Medizinisches Cannabis in Deutschland: Was Patientinnen und Patienten wissen sollten 

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2026
Lesedauer: 6 Minuten
© LightFieldStudios / istockphoto.com

Medizinisches Cannabis ist in Deutschland seit einigen Jahren fester Bestandteil der gesundheitspolitischen und medizinischen Diskussion. Während die öffentliche Wahrnehmung häufig von Debatten rund um den Freizeitkonsum geprägt ist, verfolgt die medizinische Anwendung einen klar therapeutischen Ansatz. Hier geht es nicht um Rausch oder Genuss, sondern um den gezielten Einsatz eines Arzneimittels bei bestimmten Erkrankungen und Beschwerden. 

Viele Betroffene fragen sich, unter welchen Voraussetzungen eine Behandlung mit medizinischem Cannabis überhaupt möglich ist, wie die rechtliche Situation aussieht und welche Rolle Ärzte in diesem Prozess spielen. Einen kompakten Überblick zu den rechtlichen und organisatorischen Grundlagen der Cannabistherapie in Deutschland findet man in Online-Fachportalen. Dort werden zentrale Fragen zur Einordnung von medizinischem Cannabis, zur Verordnung und zu den gesetzlichen Rahmenbedingungen zusammengefasst. 

Dieser Artikel gibt einen sachlichen Überblick über: 

  • die medizinischen Grundlagen von Cannabis, 
  • die wichtigsten Einsatzgebiete in der Praxis, 
  • die rechtliche Einordnung in Deutschland, 
  • die Gründe für die Verschreibungspflicht, 
  • sowie die Rolle der behandelnden Ärzte. 

Was versteht man unter medizinischem Cannabis? 

Medizinisches Cannabis bezeichnet Arzneimittel, die auf Bestandteilen der Cannabispflanze basieren oder daraus gewonnene Wirkstoffe enthalten. Im Unterschied zum nicht-medizinischen Gebrauch handelt es sich dabei um standardisierte und kontrollierte Präparate, die strengen gesetzlichen Vorgaben unterliegen. Diese Vorgaben betreffen unter anderem Herstellung, Qualität, Wirkstoffgehalt, Lagerung und Abgabe. 

In der medizinischen Praxis kommen verschiedene Formen zum Einsatz, zum Beispiel: 

  • getrocknete Cannabisblüten, 
  • standardisierte Extrakte, 
  • Öle zur oralen Einnahme, 
  • sowie Kapseln oder andere feste Zubereitungen. 

Ziel all dieser Darreichungsformen ist es, eine möglichst genaue Dosierung und eine gleichbleibende Qualität sicherzustellen. Damit unterscheidet sich medizinisches Cannabis grundlegend von nicht regulierten Produkten, bei denen Zusammensetzung und Wirkung stark schwanken können. 

Die wichtigsten Wirkstoffe und ihre Bedeutung 

Die therapeutische Wirkung von Cannabis beruht vor allem auf sogenannten Cannabinoiden. Besonders bekannt sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). THC ist unter anderem für schmerzlindernde, muskelentspannende und appetitsteigernde Effekte bekannt, kann aber auch psychoaktive Wirkungen haben. CBD wirkt nicht berauschend und wird unter anderem wegen seiner entzündungshemmenden, krampflösenden und angstlösenden Eigenschaften eingesetzt. 

Je nach Krankheitsbild und Therapieziel werden unterschiedliche Präparate eingesetzt, etwa: 

  • THC-dominante Zubereitungen, 
  • CBD-dominante Zubereitungen, 
  • oder Kombinationspräparate mit beiden Wirkstoffen. 

Welche Variante im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation des Patienten und vom therapeutischen Ziel ab. 

Bei welchen Erkrankungen kommt medizinisches Cannabis zum Einsatz? 

Eine Behandlung mit medizinischem Cannabis ist in der Regel keine Therapie der ersten Wahl. Sie wird vor allem dann in Betracht gezogen, wenn andere Behandlungsansätze nicht ausreichend wirksam waren oder nicht vertragen wurden. In der medizinischen Praxis gibt es mehrere Einsatzgebiete, in denen Cannabis als ergänzende Option diskutiert oder eingesetzt wird. 

Dazu gehören unter anderem: 

  • chronische Schmerzen, insbesondere neuropathische Schmerzen, 
  • Spastiken, zum Beispiel im Zusammenhang mit Multipler Sklerose, 
  • Übelkeit und Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie, 
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust bei schweren Erkrankungen, 
  • palliativmedizinische Symptomlinderung, 
  • sowie bestimmte Formen der Epilepsie, vor allem im Zusammenhang mit CBD-basierten Therapien. 

Entscheidend ist, dass die Indikationsstellung immer individuell erfolgt. Ob eine Cannabistherapie sinnvoll ist, hängt von der konkreten Erkrankung, dem bisherigen Therapieverlauf und der Gesamtsituation der betroffenen Person ab. 

Rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland 

Die medizinische Verwendung von Cannabis ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Seit 2017 ist es grundsätzlich möglich, Cannabisarzneimittel unter bestimmten Voraussetzungen ärztlich zu verordnen. Medizinisches Cannabis gilt rechtlich als verschreibungspflichtiges Arzneimittel und unterliegt dem Arzneimittelrecht sowie speziellen Vorgaben zur Verordnung, Abgabe und Dokumentation. 

Diese Regulierung verfolgt mehrere Ziele, darunter: 

  • den Schutz der Patienten, 
  • die Sicherstellung einer gleichbleibenden pharmazeutischen Qualität, 
  • klare rechtliche Rahmenbedingungen für Verordnung und Abgabe, 
  • sowie die Abgrenzung zur nicht-medizinischen Nutzung. 

Die gesetzlichen Vorgaben sollen damit sowohl die Sicherheit der Behandlung als auch die Nachvollziehbarkeit der Therapie gewährleisten. 

Warum ist medizinisches Cannabis verschreibungspflichtig? 

Dass medizinisches Cannabis nur auf ärztliche Verordnung erhältlich ist, hat mehrere Gründe. Einer der wichtigsten ist die medizinische Sicherheit. Cannabis wirkt auf das zentrale Nervensystem und kann sowohl erwünschte als auch unerwünschte Effekte haben. Dazu zählen neben schmerzlindernden oder entspannenden Wirkungen auch mögliche Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel oder Konzentrationsstörungen. 

Die Verschreibungspflicht dient unter anderem dazu: 

  • eine ärztliche Abwägung von Nutzen und Risiken sicherzustellen, 
  • mögliche Gegenanzeigen zu berücksichtigen, 
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu vermeiden, 
  • sowie den Einsatz geprüfter und standardisierter Arzneimittel zu gewährleisten. 

Ein weiterer Aspekt betrifft die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen. In bestimmten Fällen kann eine Cannabistherapie erstattungsfähig sein, allerdings ist dafür in der Regel eine vorherige Genehmigung erforderlich. Auch hier bildet die ärztliche Verordnung die notwendige Grundlage. 

Die Rolle der Ärzte 

Ärzte nehmen bei der Cannabistherapie eine zentrale Rolle ein. Am Anfang steht eine gründliche Anamnese, bei der die bisherige Krankengeschichte, bestehende Begleiterkrankungen und frühere Therapieversuche berücksichtigt werden. Erst wenn andere Behandlungsoptionen ausgeschöpft oder nicht ausreichend wirksam sind, kann eine Therapie mit medizinischem Cannabis in Erwägung gezogen werden. 

Zur ärztlichen Verantwortung gehören dabei insbesondere: 

  • die Prüfung der medizinischen Indikation, 
  • die Aufklärung über mögliche Wirkungen und Nebenwirkungen, 
  • die Auswahl eines geeigneten Präparats und einer passenden Dosierung, 
  • sowie die regelmäßige Kontrolle des Therapieverlaufs. 

Medizinisches Cannabis ist damit kein Medikament, das einmal verordnet und dann sich selbst überlassen wird, sondern Teil eines fortlaufend zu begleitenden Behandlungskonzepts. 

Darreichungsformen und Anwendung in der Praxis 

In der medizinischen Versorgung stehen verschiedene Darreichungsformen zur Verfügung. Cannabisblüten werden häufig inhaliert, etwa mit einem Vaporizer, was einen relativ schnellen Wirkungseintritt ermöglicht. Extrakte und Öle werden meist oral eingenommen und erlauben eine präzisere und gleichmäßigere Dosierung. Daneben gibt es auch Kapseln oder andere standardisierte Zubereitungen, die vor allem für die längerfristige Therapie geeignet sind. 

Die Auswahl der passenden Form richtet sich unter anderem nach: 

  • der Art der Beschwerden, 
  • dem gewünschten Wirkungseintritt, 
  • der geplanten Therapiedauer, 
  • sowie der individuellen Verträglichkeit und Alltagstauglichkeit. 

Nutzen und mögliche Nebenwirkungen 

Wie bei jedem wirksamen Arzneimittel müssen auch bei medizinischem Cannabis Nutzen und Risiken sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen unter anderem Müdigkeit, Schwindel, Konzentrationsstörungen oder eine veränderte Wahrnehmung. Diese treten nicht bei allen Patienten auf und sind häufig dosisabhängig. 

Demgegenüber stehen mögliche therapeutische Effekte wie: 

  • eine Linderung chronischer Schmerzen
  • eine Reduktion von Spastiken, 
  • eine Abschwächung von Übelkeit und Erbrechen, 
  • eine Appetitsteigerung, 
  • sowie eine Verbesserung der Lebensqualität bei schweren Erkrankungen. 

Voraussetzung ist in jedem Fall eine sorgfältige ärztliche Begleitung und regelmäßige Überprüfung des Therapieverlaufs. 



Fazit 

Medizinisches Cannabis ist in Deutschland ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, das bei ausgewählten Indikationen eine sinnvolle Ergänzung der Therapie sein kann. Es unterliegt klaren rechtlichen Vorgaben und gehört in die Hand erfahrener Ärzte. Für Patienten ist wichtig zu wissen, dass es sich nicht um eine allgemeine Lösung für jede Art von Beschwerden handelt, sondern um eine gezielt eingesetzte Therapieoption, die individuell geprüft und begleitet werden muss. 

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.