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Gesundheitswesen

Medizinische Cannabissorten: Die Wirkungen im Überblick 

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 07. April 2026
Lesedauer: 6 Minuten
© nito100 / istockphoto.com

Seit der Teillegalisierung verschreiben immer mehr Ärzte Cannabis, um unterschiedliche Erkrankungen wie chronische Schmerzen, neurologische Beschwerden oder Übelkeit bei Krebstherapien zu behandeln. Dabei spielt die Auswahl der passenden Sorte eine große Rolle.  

Der Begriff „medizinisches Cannabis“ steht nicht für eine standardisierte Pflanze, sondern für eine Vielzahl gezüchteter Sorten. Sie sind das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit, um bestimmte Wirkstoffprofile zu erzeugen.  

Die wichtigsten Wirkstoffe in Cannabis 

Die medizinische Wirkung von Cannabis hängt vor allem von den sogenannten Cannabinoiden ab. Dabei handelt es sich um chemische Verbindungen, die mit dem Endocannabinoid-System des menschlichen Körpers interagieren, das eine Rolle bei der Regulierung von Schmerzen, Stimmung, Schlaf und Appetit spielt.  

Zu den wichtigsten Cannabinoiden gehören: 

  • THC (Tetrahydrocannabinol), das für die psychoaktive Wirkung verantwortlich ist. Es kann Schmerzen lindern, Muskeln entspannen und den Appetit anregen. 
  • CBD (Cannabidiol) hat keine berauschende Wirkung. Es kann Entzündungen hemmen, Ängste und Krämpfe lösen.  
  • CBG, CBC und weitere kaum erforschte Cannabinoide. 

Neben den Cannabinoiden sind auch Terpene von Bedeutung. Diese Aromastoffe verleihen den Pflanzen ihren charakteristischen Geruch und beeinflussen die medizinische Wirkung. 

Indica, Sativa und Hybride 

Traditionell teilt man Cannabissorten in drei Hauptkategorien ein: Indica, Sativa und Hybride. 

Indica-Sorten gelten als körperlich entspannend. Man verwendet sie bei Schlafproblemen, chronischen Schmerzen oder Muskelverspannungen. Viele Patienten berichten über eine beruhigende Wirkung. 

Sativa-Sorten haben dagegen eher aktivierende Effekte. Sie können die Stimmung aufhellen und die geistige Wachheit fördern. Deshalb kommen sie bei Erschöpfung, depressiver Stimmung oder Konzentrationsproblemen zum Einsatz. 

Hybridsorten entstehen durch Kreuzungen aus Indica- und Sativa-Pflanzen. Moderne medizinische Sorten gehören fast immer zu dieser Kategorie. Züchter kombinieren gezielt Eigenschaften verschiedener Pflanzen, um bestimmte Wirkungsprofile zu erreichen. 

Typische medizinische Einsatzgebiete 

Die medizinische Verwendung von Cannabis hat sich in den letzten Jahren deutlich ausgeweitet. Während früher vor allem schwerkranke Patienten Zugang erhielten, kommen Cannabinoide heute bei einer größeren Bandbreite von Beschwerden zum Einsatz. 

Zu den häufigsten Einsatzgebieten gehören: 

  • Chronische Schmerzen 
  • Spastiken bei neurologischen Erkrankungen 
  • Übelkeit und Appetitlosigkeit bei Chemotherapien 
  • Schlafstörungen 
  • Angststörungen 

Die konkrete Wirkung hängt von der gewählten Sorte, der Dosierung und der individuellen Reaktion des Körpers ab. 

Das Zusammenspiel der Inhaltsstoffe 

In der Cannabisforschung gewinnt der Entourage-Effekt immer mehr an Bedeutung. Dabei geht es um das Zusammenspiel der Wirkstoffe innerhalb der Pflanze. Cannabinoide und Terpene können gemeinsam eine stärkere oder differenziertere Wirkung entfalten als einzelne Substanzen. Eine Sorte mit moderatem THC-Gehalt kann durch bestimmte Terpene beispielsweise stärker entspannend wirken als eine Sorte mit höherem THC-Anteil. 

Deshalb achten medizinische Fachleute nicht nur auf den THC- oder CBD-Gehalt, sondern auf das gesamte Wirkstoffprofil einer Sorte. 

Unterschiede zwischen einzelnen Sorten 

Medizinische Cannabissorten unterscheiden sich in mehreren Punkten: 

  • Verhältnis von THC zu CBD 
  • Gesamtgehalt an Cannabinoiden 
  • Terpenprofil 
  • Intensität und Dauer der Wirkung 

Einige Sorten haben einen hohen THC-Anteil und eignen sich zur Behandlung von Schmerzen. Andere enthalten viel CBD, was zu einer beruhigenden Wirkung ohne psychoaktive Effekte führt.  

Gerade hier zeigt sich die Wirkung verschiedener Cannabis-Sorten deutlich. Zwei Pflanzen können ähnlich aussehen und dennoch sehr unterschiedliche therapeutische Effekte haben. 

Eine Sorte mit hohem THC-Gehalt und Terpenen wie Myrcen wirkt beispielsweise stark entspannend. Eine andere Sorte mit moderatem THC und Terpenen wie Limonen oder Pinene kann dagegen eher anregen und die Stimmung aufhellen. 

Darreichungsformen in der medizinischen Anwendung 

Neben der Auswahl der Sorte spielt die Art der Anwendung eine Rolle.  

Zu den häufigsten gehören: 

  • Getrocknete Blüten zur Inhalation mit einem Vaporizer 
  • Öle und Extrakte mit standardisierten Mengen an Cannabinoiden 
  • Kapseln oder Sprays 

Die Wirkung tritt beim Inhalieren meist schneller ein, hält jedoch kürzer an. Oral eingenommene Präparate wirken langsamer, dafür hält die Wirkung länger an.  

Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen 

Trotz der medizinischen Vorteile verursacht Cannabis auch Nebenwirkungen. Diese hängen von der Dosierung, der individuellen Empfindlichkeit und dem Wirkstoffprofil ab. 

Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören: 

  • Müdigkeit oder Benommenheit 
  • Schwindel 
  • Mundtrockenheit 
  • Konzentrationsprobleme 
  • gelegentlich Angstgefühle 

Bei sehr hohen THC-Dosen können außerdem vorübergehende Veränderungen der Wahrnehmung auftreten. Deshalb erfolgt die Therapie mit medizinischem Cannabis immer unter ärztlicher Kontrolle. 

Besonders wichtig ist eine vorsichtige Dosierung am Beginn der Behandlung. Dabei gilt das Prinzip, die Dosis langsam zu steigern. 

Ausblick auf die zukünftige Forschung 

Die wissenschaftliche Erforschung von Cannabis bringt immer noch neue Erkenntnisse. Studien untersuchen die Wirkung einzelner Cannabinoide, die Rolle der Terpene sowie mögliche neue medizinische Anwendungsgebiete. 

Parallel dazu entwickeln Züchter und Pharmaunternehmen neue Sorten mit präzise abgestimmten Wirkstoffprofilen. Diese Entwicklung könnte in Zukunft zu stärker personalisierten Therapien führen. 

Medizinisches Cannabis ist ein gutes Beispiel für einen Wandel in der modernen Medizin. Es handelt sich nicht mehr um eine einheitliche Substanz, sondern um ein komplexes System von pflanzlichen Wirkstoffen. Die Vielfalt der Sorten eröffnet neue therapeutische Möglichkeiten, stellt die Forschung aber auch vor die Herausforderung, die verschiedenen Wirkungen genauer zu verstehen. 



Fazit: Medizinisches Cannabis eröffnet vielfältige therapeutische Möglichkeiten

Medizinisches Cannabis ist längst kein einheitliches Medikament mehr, sondern eine komplexe Sammlung von Sorten mit unterschiedlichen Wirkstoffprofilen. Die Auswahl der richtigen Sorte, das Verhältnis von THC zu CBD, die Terpene und die Darreichungsform bestimmen maßgeblich die Wirkung. Während Indica-Sorten eher entspannend wirken, fördern Sativa-Sorten Aktivität und Stimmung, Hybride kombinieren gezielt Eigenschaften beider Typen.

Die Forschung zum Entourage-Effekt zeigt, dass die gesamte Zusammensetzung einer Pflanze therapeutische Effekte verstärken kann. Mit zunehmendem Wissen über Cannabinoide, Terpene und individuelle Reaktionen des Körpers werden Therapien immer gezielter und personalisierter. Dennoch bleibt medizinisches Cannabis ein Wirkstoffsystem, das ärztliche Kontrolle und sorgfältige Dosierung erfordert.

FAQ zum Thema medizinisches Cannabis

Welche Erkrankungen lassen sich mit medizinischem Cannabis behandeln?

Medizinisches Cannabis wird vor allem bei chronischen Schmerzen, neurologischen Spastiken, Übelkeit und Appetitlosigkeit während Chemotherapien, Schlafstörungen und Angststörungen eingesetzt. Die konkrete Wirkung hängt von Sorte, Dosierung und individueller Reaktion ab.

Was ist der Unterschied zwischen THC und CBD in der medizinischen Wirkung?

THC ist psychoaktiv, kann Schmerzen lindern, Muskeln entspannen und den Appetit anregen. CBD hat keine berauschende Wirkung, wirkt entzündungshemmend, beruhigend und kann Krämpfe oder Ängste reduzieren.

Welche Rolle spielen Terpene bei der Wirkung von Cannabis?

Terpene sind Aromastoffe, die den Geruch der Pflanze bestimmen und die Wirkung von Cannabinoiden beeinflussen. Durch den Entourage-Effekt können sie therapeutische Effekte verstärken oder differenzieren.

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.