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Treppenlift

Treppenlift: Das Sanimio.de Experteninterview

Simone Blaß
Verfasst von Simone Blaß
Zuletzt aktualisiert: 11. März 2026
Lesedauer: 10 Minuten
© Traimak_Ivan / istockphoto.com

Jörg Ammann ist Geschäftsführer des Liftexperten Ammann & Rottkord GmbH in Nordrhein-Westfalen und Sprecher des deutschen Verbandes für Treppen- und Plattformlifte (dvtp). Aus seiner langjährigen Praxiserfahrung weiß er, dass sich der Einbau eines Treppenlifts für viele Menschen zunächst wie ein Eingeständnis an die eigene Schwäche anfühlt und später dann doch als große Erleichterung empfunden wird. Gleichzeitig beobachtet der Experte aber auch einen Wandel, denn der Treppenlift wird mehr und mehr als das wahrgenommen, was er ist: ein Hilfsmittel für mehr Selbstständigkeit.


Profilbild von Jörg Ammann, Geschäftsführer der Ammann & Rottkord GmbH in Nordrhein-Westfalen und Sprecher des deutschen Verbandes für Treppen- und Plattformlifte (dvtp).

ÜBER UNSEREN TREPPENLIFT-EXPERTEN

Jörg Ammann ist Geschäftsführer der Ammann & Rottkord GmbH und verfügt über langjährige Erfahrung in der Planung und Umsetzung individueller Liftlösungen im Bereich barrierefreier Aufzugs- und Plattformtechnik. Darüber hinaus engagiert er sich als Mitglied im Arbeitsausschuss Aufzüge – angesiedelt im Normenausschuss Maschinenbau im Deutschen Institut für Normung e.V. (DIN) –  sowie als Sprecher des Deutschen Verbandes für Treppen- und Plattformlifte (dvtp). Der dvtp bündelt die Interessen der Branche in Deutschland und informiert über technische Entwicklungen, Normen und praxisgerechte Lösungen für barrierefreie Mobilität. Dabei stehen Qualität, Sicherheit und Transparenz im Mittelpunkt.


Bei einem Treppenlift geht es nicht nur um Mobilität, sondern auch um Selbstständigkeit und Würde. Wie erleben Sie das in Ihrer Praxis?

Ich erlebe immer wieder, dass Menschen enorme Einschränkungen über lange Zeit hinnehmen und sich erst dann für einen Treppenlift entscheiden, wenn es wirklich nicht mehr anders geht, beispielsweise nach einem Treppensturz. Diese Leidensfähigkeit überrascht mich jedes Mal aufs Neue. Viele behelfen sich jahrelang mit provisorischen Lösungen, arrangieren sich mit der Situation und schieben die Entscheidung vor sich her. Und später hört man dann fast immer denselben Satz: „Das hätten wir viel früher machen sollen.“ Manche unserer Kunden sind die Treppe zwei Jahre auf dem Hinterteil hinuntergerutscht, weil es anders nicht mehr ging. Offensichtlich muss der Leidensdruck oft erst sehr groß werden, bevor der Schritt gewagt wird. Gleichzeitig beobachten wir jedoch einen langsamen Wandel. Nicht zuletzt durch Werbekampagnen und eine wachsende Sensibilität für das Thema Barrierefreiheit wird der Treppenlift zunehmend früher in Betracht gezogen.



Was ist Ihre Erfahrung, wie schnell verändert sich die Lebensqualität nach der Installation?

Das geht ganz schnell. Da sich viele das System erst anschaffen, wenn sie es wirklich brauchen, stellt sich die Entlastung sofort ein. Innerhalb von fünf bis sechs Stunden ist der Lift montiert und der Effekt ist direkt spürbar.

Welche Rolle spielen Angehörige – beispielsweise Kinder oder Partner – im Entscheidungsprozess?

Angehörige spielen eine sehr große Rolle. Meist geht es um ältere Menschen und die Entscheidung wird häufig gemeinsam getroffen, was ich ausdrücklich begrüße, weil so verhindert wird, dass jemand übergangen oder zu etwas gedrängt wird. Gleichzeitig erleben wir oft, dass sich etwa ein Mann, der aus gesundheitlichen Gründen dringend einen Treppenlift bräuchte, lange dagegen sträubt. Spricht man ihn jedoch darauf an, dass er es auch für seine Frau tun könnte, fällt die Entscheidung deutlich leichter.

Schwierig wird es allerdings, wenn Angehörige es zwar gut meinen, die betroffene Person beim Termin vor Ort aber gar nicht dabei sein kann, beispielsweise weil sie nach einem Schlaganfall im Krankenhaus liegt. In solchen Fällen können wir zunächst nur die technischen Möglichkeiten für die jeweilige Wohnsituation klären. Es wäre jedoch fatal, wenn viel Geld investiert wird und sich später herausstellt, dass der Betroffene den Lift gar nicht nutzen kann, weil er zum Beispiel nicht selbstständig sitzen oder sich sicher festhalten kann.

Welche Annahmen oder inneren Blockaden halten Menschen am stärksten davon ab, sich frühzeitig mit dem Thema zu beschäftigen? Welche Missverständnisse begegnen Ihnen am häufigsten?

Für viele fühlt sich ein Treppenlift an wie eine Krücke. Wie ein Zeichen, dass es jetzt „so weit gekommen“ ist. Dieses Gefühl hält oft davon ab, sich frühzeitig damit zu beschäftigen. Auf der anderen Seite bringt ein Lift eine enorme Erleichterung und dient ja auch der Unfallsicherung. Die Treppe ist ein großer Unfallschwerpunkt, auch für Menschen, die gesundheitlich nicht massiv eingeschränkt sind, etwa bei Kreislaufschwäche. Wenn es gut geht, kann man die Treppe ja trotzdem benutzen. Für viele ist sie ja auch das einzige Trainingsgerät, das sie haben. Wenn es aber schlecht geht und man wacklig auf den Beinen ist, sollte man den Lift nutzen, um Stürze zu vermeiden. Und gerade im höheren Alter ist ein Sturz eben kein kleines Ereignis, sondern kann ganz schnell das Ende der Selbstständigkeit bedeuten. Ein weiteres Missverständnis ist, dass der Treppenlift die einzige Lösung sei. Dabei gibt es auch andere Liftmöglichkeiten, mit denen man im eigenen Zuhause mobil bleiben kann. Für uns ist es daher wichtig, den Kunden die verschiedenen Techniken mit ihren Vor- und Nachteilen aufzuzeigen. Gerade in einem Eigenheim kann es sinnvoll sein, weiterzudenken, auch wenn das zunächst teurer ist. Einen Aufzug plant man oft vorausschauend ein und profitiert auch schon viel früher davon. Zum Beispiel beim Transport von Getränken, Einkäufen oder auch Kinderwagen.



Zahlt denn die Pflegekasse auch bei anderen Systemen einen Zuschuss?

Ja, das ist vollkommen unabhängig vom System. Es gibt bei einem Pflegegrad den einmaligen Zuschuss. Der Vorteil aber bei einem Homelift zum Beispiel ist, dass Sie hier noch zusätzlich KfW-Mittel zur Förderung beantragen können.


Ein Treppenlift mit gepolstertem Sitz und Armlehnen ist an einer geschwungenen Treppe montiert.

TREPPENLIFT KOSTEN

 Die Anschaffung eines Treppenlifts ist nicht nur eine funktionale, sondern auch eine finanzielle Entscheidung. Die Kosten variieren je nach Ausstattung, Anbieter und Einbausituation. Dennoch gibt es Möglichkeiten, die finanzielle Belastung zu reduzieren.

© Thananat / istockphoto.com


Welche Informationen bezüglich der Machbarkeit liefert Ihnen eine Treppe bereits beim ersten Blick?

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass jede bauordnungsrechtlich zugelassene Treppe in der Regel auch mit einem Lift erschlossen werden kann. Der erste und wichtigste Faktor ist dabei die Breite der Treppe. Danach kommt es stark auf die Person an, die den Lift nutzen soll. Die Körpermaße spielen eine große Rolle, denn der Abstand vom Rücken bis zu den Knien ist bei einer 1,95 Meter großen Person deutlich größer als bei jemandem mit 1,65 Metern. Gerade bei großen Menschen mit Knieproblemen kann das entscheidend sein. Technisch sind heute sogar Steigungen von bis zu 70 Grad machbar, und auch Wendeltreppen stellen meist kein Problem dar. Anspruchsvoller wird es allerdings in Mehrfamilienhäusern, vor allem wegen der vorgeschriebenen Fluchtwege und der entsprechenden Sicherheitsvorgaben. Hier müssen strenge Richtlinien eingehalten werden. Als Fachunternehmen prüfen wir solche Punkte im Vorfeld sorgfältig und finden in der Praxis fast immer eine passende Lösung.

Welche baulichen Voraussetzungen müssen noch erfüllt sein?

Im klassischen Einfamilienhaus lässt sich auf nahezu jeder Treppe ein Treppenlift montieren, unabhängig davon, ob sie aus Stein oder Holz besteht. Bei Holztreppen ist die Befestigung in der Regel etwas einfacher und schneller umzusetzen. Wichtig ist außerdem ein Stromanschluss, denn die Geräte laden ihre Akkus automatisch an den jeweiligen Endpunkten der Strecke.

Besonders unkompliziert ist die Installation bei geraden Treppen, wobei man sagen muss, dass nur etwa fünf Prozent aller Treppen wirklich gerade sind. Hier kommen standardisierte Systeme zum Einsatz, bei denen im Grunde nur die Neigung eingestellt werden muss, damit man bequem und aufrecht sitzt. Aufwendiger wird es bei Kurventreppen. In solchen Fällen muss die Schiene individuell angefertigt werden, was den Einbau komplexer und auch kostenintensiver macht. Zusätzlich sorgen meist zwei Motoren dafür, dass die Sitzneigung während der Fahrt ausgeglichen wird und man jederzeit sicher und stabil sitzt.

Wo liegen in der Praxis die Grenzen?

In 99 Prozent der Fälle findet sich für einen Treppenlift eine Lösung. Grenzen entstehen meist durch extrem schmale Flure oder besondere bauliche Situationen.



Kann ein gebrauchter Treppenlift sinnvoll sein?

Das Wiederverwenden funktioniert unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten meist nur bei geraden Treppen. Dort kann man die Neigung des Sitzes neu einstellen und den Lift wieder montieren. Kurvenlifte sind individuell gefertigt, die Schiene passt also nur für genau diese Treppe. Wird sie demontiert, ist sie praktisch nicht weiterverwendbar und in Deutschland wird sie auch vom Hersteller nicht zurückgenommen, im Gegensatz zum Beispiel zu England. 

Was wir aber immer wieder machen, ist den Treppenlift abzubauen, damit zum Beispiel junge Hauskäufer ihn einlagern können. Denn der Lift ist genau auf die Treppe in ihrem Eigenheim angepasst und kann später, bei Bedarf, problemlos wiederverwendet werden.

Welche Argumente überzeugen Ihrer Ansicht nach Vermieter, wenn es um den Einbau eines Treppenlifts geht?

Wenn ein Mieter einen Treppenlift einbauen lassen möchte, dann ist für den Vermieter vor allem die Zusicherung wichtig, dass beim Auszug alles wieder zurückgebaut und in den ursprünglichen Zustand versetzt wird. Bei Steintreppen lassen sich zum Beispiel entstandene Bohrlöcher von einem Steinmetz sauber verschließen. Häufig wird vorsorglich eine kleine Rücklage für solche Arbeiten eingeplant. Das ist eine Sicherheit, die oft für Vermieter entscheidend ist.


Ein Treppenlift mit rotem Sitz und klappbaren Armlehnen ist an einem Handlauf im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses montiert. Der Lift verläuft entlang der Treppe und ermöglicht auch Mieterinnen und Mietern mit eingeschränkter Mobilität den Zugang zu oberen Etagen.

TREPPENLIFT ALS MIETER

Wer eine Mietwohnung bewohnt, steht vor der Frage, ob ein Treppenlift als Mieter rechtlich überhaupt möglich ist und wenn ja, welche technischen und organisatorischen Anforderungen erfüllt werden müssen.

© Francisco Javier Ortiz Marzo / istockphoto.com


Steigert ein Treppenlift die Attraktivität einer Immobilie?

Optisch sind die Systeme inzwischen zwar deutlich ansprechender geworden und es gibt verschiedene Gewichtsklassen und Modelle, aber eine Wertsteigerung für eine Immobilie ist ein Treppenlift nicht. Im Gegensatz zu einem Aufzug beziehungsweise einem Homelift, der den Immobilienwert auf jeden Fall steigert und auch zum Beispiel für junge Familien attraktiv ist. Zudem wird er auch steuerlich anders behandelt.


Eleganter Homelift in einem luxuriösen Wohnhaus mit Marmorböden und einer geschwungenen Treppe. Der gläserne Aufzug mit Edelstahlrahmen fügt sich nahtlos in die klassische, stilvolle Innenarchitektur ein. Der Lift ist neben einer offenen Tür platziert und ermöglicht eine barrierefreie Verbindung zwischen den Stockwerken.

HOMELIFT

In einem Haus mit mehreren Etagen ermöglicht ein Homelift, Treppen mühelos zu überwinden und alle Stockwerke barrierefrei zu erreichen. Anders als klassische Aufzüge zeichnet sich der Homelift durch seine kompakte Bauweise und Flexibilität aus.

© rilueda / istockphoto.com


Wie wird sich Ihrer Ansicht nach das Thema in den nächsten zehn Jahren entwickeln?

Aus gesellschaftlicher Sicht wird die Akzeptanz in den kommenden zehn Jahren weiter steigen, schon allein deshalb, weil der demografische Wandel die Zahl der Menschen erhöht, die auf solche Lösungen angewiesen sind. Viele möchten möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben, und zugleich ist das Angebot an Pflegeheimplätzen begrenzt. Entsprechend wächst das Bewusstsein dafür, wie wichtig barrierearme Wohnlösungen sind. Technisch wird es zwar kontinuierliche Weiterentwicklungen geben, etwa bei Komfort, Sicherheit und Steuerungssystemen. Im Kern jedoch wird der Treppenlift bleiben, was er ist: ein Sitz auf einer Schiene entlang der Treppe, bewährt, zuverlässig und auf seine Funktion konzentriert.



Welchen Rat würden Sie Menschen geben, die sich gerade im Entscheidungsprozess befinden und noch zweifeln?

Mein Rat ist: Warten Sie nicht zu lange. Der Leidensdruck steigt oft über Jahre und ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele im Nachhinein sagen, sie hätten es früher machen sollen. Denn letztlich ist es immer auch eine Frage der Lebensqualität und was einem diese wert ist.

Über unsere*n Autor*in
Simone Blaß
Simone studierte Germanistik, Psychologie und Soziologie und absolvierte danach ein Volontariat bei einem lokalen Fernsehsender. Nach Zwischenstationen beim Radio und in einer PR-Agentur arbeitete sie viele Jahre als freiberufliche Redakteurin für Online-Portale und Agenturen.